Die Hühnchen-Rubrik

Ping-Pong „sitzt“

 

Dabei ist sie kein lernschwacher Hund, der endlich verstanden hat, was „Sitz“ bedeutet. Sie ist auch kein Häftling, der irgendwo in Alcatraz darbt. Nein, sie ist eine unserer Hennen. Ein Legehenne, gezüchtet, um uns die Frühstückseier zu liefern. Und sie wohnt, lebt und wirkt bei uns. Eierlegen können die Kolleginnen, sie hingegen ist zu Höherem berufen: Sie möchte Mama werden. Bei Hühnern ist das schon mal so, sie wollen brüten, ganz wurschti, ob ein tretender (poppender und befruchtender Hahnemann) zugegen ist oder nicht. Dass sie angeblich eine „Haben-den-Brutinstinkt-weggezüchtet-Hybride“ ist, weiß sie nicht. Will sie auch nicht unbedingt hören. Lieber sitzt sie fauchend im Nest und gluckst ansonsten selig vor sich hin.

Pingpong ist sowieso unsere resoluteste Kampfhenne, die liebend gerne mal ausdiskutiert, ob nun die Hunde weichen müssen, wenn sie Wegerecht in Anspruch nimmt (bei Gadens hat das Federvieh IMMER Vorfahrt!!!!) und außerdem hat sie irgendwelche hormonelle Schwankungen, in denen sie liebend gerne auch mal grundlos auf die Hunde losgeht. Besonders Hank bekommt ab und an Haue von ihr, es reicht ein Blick auf 5 m und der schöne Schwarze dreht ab.

Seit drei Tagen ist Aggro-Ping Pong jedenfalls noch komischer als sonst. Sie mimt schon mal die Ninja-Henne, wenn sie das Nest besetzt, was irgendwie unbedingt auch alle belagern anderen wollen. Dass sie tatsächlich brüten will, erschloss sich mir aber erst nach einem Tag.

 

Hybriden sind regelrechte Fressraupen und wenn Opa-Peter nach seinem Mittagsmahl mühsam gehäckselte Reste regelmäßig an die Hühnerschar mittels „Boog-Boog“-Ruf verteilt, eilen alle Hennen (egal, wo sie sich gerade verlustieren!) in etwa in Warp 10 Geschwindigkeit heran, um sich gierig über Grünzeug, Obst, Gemüse, kleingeschnittene Fleischwurst und andere Köstlichkeiten herzumachen.

 

Den Turbo einlegen kann Ping-Pong generell sehr gut (im Gegensatz zu Frau Nusspickel, die fett und grantelig eher als letzte zum Oppa kommt). Wenn also Ping-Pong nicht zum Mittagsmahl angedüst kommt, dann stimmt was nicht: Da liegt der Hase also im Pfeffer, da tickt die Zeit anders, da ist was faul und zwar vom Feinsten. Pingpong hat das beste Nest besetzt. Nicht nur zum Eierlegen, sondern für länger. Das war dann uns allen endlich klar! Fauchend und zeternd wie ein Adler, mindestens so handlungsbereit saß sie also dort und war um alles in der Welt nicht wegzubewegen.

 

Cut! Mal was grundsätzliches: Hier wachsen gerade 22 Wachtelkükis heran. Geschlüpft im Brutapparat, weil Wachteln das fast gar nicht mehr in Naturbrut können. Auch die Bressen vom letzten Jahr sind Styroporkistenkinder (Dank Ankes Begabung, einen Brutapparat selbst zu bauen!) Man erfreut sich an den Kleinen, aber ehrlich: Nix ist schöner, als eine Schar Kükis zu beobachten, geführt und angeleitet von Mama Henne. Aber dass eine meiner Hybriden dann doch eher Mutterfreuden entgegensieht als fressgestört den Garten zu beackern und fleißig unsere Frühstückseier zu legen, das hätte ich nun echt nicht gedacht. Umso größer die Freude!

Umso größer die Panik: Woher nehme ich jetzt Bruteier?????

Den holden Nachbarn zuliebe haben wir nämlich keinen stolzen Gockel, der wie „Konstantin Wecker“ in meinen Kinderjahren nicht nur uns, sondern auch besagte Nachbarn schon ab 3 oder 4 Uhr (noch stockdunkel!!!) einen vom nächsten Tag vorgekräht hat, was übrigens auch zum Problem wurde. Mit erneutem Ausbau des Hühnerhobbies war klar, Gadens kriegen keinen Hahn mehr.

Bogen zurück: Nun sitzt also das Kamikaze-Huhn auf unbefruchteten Eiern und möchte Mama werden. Wir wollen das auch!!! Also schnelle mal zwischen Kursen und Kindern und Haushalt herumgefragt und telefoniert und bei Ebay und DHD geschaut, wer so alles in der Region Bruteier hat.

 

Für die Laien unter den Lesern: Nein, ohne Hahn schlüpft nix. Und wenn doch, müsste man Patent anmelden. Wäre so wie die jungfräuliche Empfängnis, also was für die Bibel aber nix fürs Real-Life :-)

 

Ich verkürze: Die Bruteier der Rassen, die ich gerne hätte haben wollen, die fand ich nicht. Und da man ja schon mal sowieso völlig bescheuert ist, haben Anke und ich uns zwischen zwei Kursen ins Auto gesetzt und sind sage und schreibe eine (!!!!!) ganze Autostunde unterwegs gewesen, um im Hessenländle Bruteier vom wunderschönen „Deutschen Lachshuhn“ zu kaufen. (Weil da auch noch tolle Bielefelder Kennhühner herumliefen, hat sich Anke auch gleich davon noch Eier mitgenommen.)

Nachdem das gestemmt war, wurde es aber auch nicht leichter. Ping-Pong ließ sich nämlich nicht umsetzen. Umsetzen heißt, dass sie einen eigenen Bereich ohne andere nervenden Mit-Hennen bekommt. Dabei hatten wir ein wirklich schönes Nest gebastelt. Pustekuchen, Madame Glucke fand das NICHT schick. Sie wollte zurück in das begehrte Legenest, wo alle anderen auch hinwollen und notfalls Schlange stehen, obwohl andere Plätze auch frei sind.

Es ist zugegebenermaßen so gut wie unmöglich, eine Glucke umzustimmen, wenn sie nicht will. Nicht bei Nacht und Nebel, auch nicht für Geld dabei. Also saß Ping-Pong im TOP1 Nest mitten im Hühnerhaus. Die Bruteier waren teuer, guter Rat aber jetzt noch teurer.

Man stelle sich vor: Hühnerhaus, sechs Hennen, ein TOP1 Nest, eine grantelige Glucke, die morden würde für diesen Platz. Und fünf andere Kolleginnen, die Schlange stehen und auch noch ein Ei dabeilegen möchten.

Kurzerhand hab ich dann ein Gitter gebaut. Das war das beste und schnellste Bauwerk meiner Karriere. Jepp, in unter 30 min!!! Ping-Pong war nun glücklich. Den andern hab ich mangels Zeit (ich musste ja noch einen Kurs geben) einen Karton mit Hobelspänen und Heu daneben gestellt.

 

Heute früh nahm das Drama seinen Lauf: Ich noch bettverknauscht, ohne Kaffee und Zigarette raus in den Garten zum Hühnerhaus. Die Bruteier ruhten noch indoor. Alle wollten raus, den Garten unsicher machen. Juchu, Pingpong saß noch immer, glücklich und zufrieden in ihrem abgeschirmten Nest. Aber mindestens einmal am Tag muss auch die beste Glucke fressen, trinken und einen etwa tennisballgroßen Stinker kacken, bevor es wieder ins Nest geht.

Alles lief nach Plan: Hola Chicka, Frau Nusspickel und Frau Taschenbier, Sushi und Frau Buh gingen wie immer raus. Auch Ping-Pong musste sich mal die Beine vertreten und verließ ihre vier (unbefruchteten) Eier. Meine Chance, ihr die Lachshuhnbruteier unterzulegen. Anke hatte sie am Vortag beschriftet. Das ist wichtig, falls noch ein Ei aus Versehen dazugelegt wird. Eins trägt den Namen: Lachshuhn. Die anderen: Forellenhuhn, Pangasiushuhn, Karpfenhuhn…. bishin zum Silberfischchen. Und da Ping-Pong a la Lehrbuch die kurze Zeit nutze, alles zu tun, was eine Glucke an sonstiger Freizeit hat (Fressen, Trinken, Kacken, Sandbad) hatte ich die Chance, ihr die 10 Eier unterzujubeln. Und außerdem musste ich Wache halten, denn die Krähen und vor allem Elstern haben leider unsere Eier als Delikatesse erkoren und laben sich gern mal. Bei der weiten Reise und dem Wert der Bruteier halt ich natürlich artig Wache, bis Ping-Pong wieder sitzt.

Ohne morgendlichen Kaffee in T-Shirt und „Unnerbuchse“ vergeht die Zeit nicht so schnell. Lehrbuch sagt, die Glucke steht täglich 15-20 min auf. Ping-Pong hat die Zeit gnadenlos ausgenutzt. Egal, was tut, man nicht alles für eine Naturbrut.

Dummerweise wollten in diesen exakten 20 min alle anderen Hennen ihre Eier genau in das Nest von Pingpong legen. Meine Kinder hatte bereits erbarmen und haben mich als selbsternannten Wachfiffi wenigstens mit Frühstück versorgt. Ist nicht ganz einfach, die anderen Hennen wollten wie gewohnt MIT UNS frühstücken und außerdem auch ihre Eier zu den Bruteiern legen. Was für ein Stress: Frühstück am Hühnerhaus, Wache halten, auf Pingpong bangen (kommt sie wieder und nimmt die 10 Eier an oder nicht?) und dann noch die Hennen abhalten, ins gewohnte Nest zu hüpfen.

 

Wer Langeweile hat, schafft sich Hühner an, soviel ist sicher!

 

Nun stand da ja mein provisorischer Karton mit Heu und zwei Alibi-Eiern als neues Legenest für die anderen. Pustekuchen! Fanden alle richtig SCHLECHT! Was auch lautstark kundgetan wurde mit nöhligem Gegacker! Dummerweise fiel der Karton auch um, trotz niedrigem Einstieg. Aber wer steigt schon niedrig ein, wenn es auch von der Seite aus machbar ist. Doch wegen der Instabilität kippte der Karton samt Henne und Alibi-Eiern um was zu noch mehr Gegacker führte. Henne Nr. 3 musste ich derweilen abwehren, noch ein 11 Ei zu den wertvollen Bruteiern zu legen. Was für ein Spaß!

Plan B musste her und mein Papa, seines Zeichen der „Hühnerpaule der 90er“ meinte, ich müsse den Karton fixieren oder noch besser: Ein Nest bauen, was dem anderen gleich ist. Die Kiste dazu hätte er noch.

Und so brummte sogar Himmelfahrt bei uns die Stichsäge. Tochter eins half, Tochter zwei wehrte derweil die legefreudigen Hennen ab. Pingpong bezog dann zu unserer Freude das Nest mit den 10 Lachshuhneiern und fauchte die Kolleginnen an, dass da nix mehr beilegen war.

Irgendwann gegen Mittag war dann alles paletti: Ping-Pong saß (mit Absperrgitter zu den anderen und nach Staubbad, Morgengymnastik, zwei Fliegen, Körnern und Wasser) auf dem Nest mit den Bruteiern und die anderen kloppten sich derweil um das neue Nest.

Ich war schweißgebadet und dennoch happy, dass für alle eine Lösung gefunden war.

 

Und wenn alles gut geht, ja dann….. FORTSETZUNG FOLGT!

 


Es ist soweit!!!!!

(Schlupftag 04.06.15)

 

Die weitere Brutzeit von Madame Ping Pong lief ohne weitere Vorkommnisse. So viel Heckmeck wie das Federvieh in den ersten Tagen ausgelöst hat, gab es nimmer. Aber ich habe tatsächlich JEDEN Tag bis zu 30 min Wache bei den Eiern gehalten, weil ich Sorge wegen der blöden Elstern und Krähen hatte, die uns leider das ein oder andere Ei schon stibitzt hatten. In Summe saß ich also an die 10 Stunden im Garten am Hühnerhaus. Ist aber bei schönem Wetter sehr entspannend, den Wachhund zu mimen. Man hat ja auch sonst nix zu tun ;-)

Na, und bei schlechter Witterung hatte selbst Ping Pong keine Lust auf große Ausflüge. Gnädig ;-)

Geschiert (mit der Taschenlampe durchleuchtet, um zu schauen, ob und welche Eier befruchtet sind) habe ich nicht. Soviel Überraschung muss sein, oder?

Wie man im Video sehen konnte, hab ich ja das blaue, kleinere Legenest gegen eine größere, grüne Kiste getauscht. Die stand zuerst noch erhöht auf Steinen. Die habe ich dann täglich etwas heruntergebaut, bis die Kiste ebenerdig stand. Alles easy, es gab keine Probleme!

Tag 20 war dann entscheidend: Es piepste aus den Eiern. Klopfzeichen gab es auch schon, im Morsecode-an-Mama-und-Geschwister-senden sind die Küken echt gut.

Was die sich wohl mitteilen?

 

„Ey, Brüder, Schwestern, ich werd der Erste sein, wetten?“ ODER „Alde, mach schon mal Essen feddich, bin gleich da?“ ODER etwa „Scheiße, is das aba eng hier?“

 

Oder wie sagt sich das mit dem Slang heute?

„Läuft bei dir?“ ODER „Alder, ich bin total depriletto, weil man hier drin so abaxen muss?“

 

Oder kommunizieren sie nur mit einzelnen Morsebuchstaben? Abkürzungen sind vielleicht auch bei der Hühnerjugend gerade hip… Fassen sie sich auch so kurz? Zumindest meine Kids daddeln auf den Handys sowas wie:

 

„Wmd?“

„Nix!“

„Wimd?“

„Hdm!!!“

„LOL“

 

Okay, für alle mittelalten und alten Leser hier die Übersetzung:

Küken 1: „Was machst du?“

Küken 2: „Nix!“

Küken 1: „Was ist mit dir?“

Küken 2: „Halt den Mund!!!“

Küken 1: „Laughing Out Loud

 

Die ersten Schalen waren auch schnell angepickt! Juchuuuu! Pünktlich wie die Eisenbahn (anscheinend früher war ;-)) schauten früh morgens an Tag 21 die ersten Kükis (Barsch, Scholle, Rotbarsch und Tilapia) unter Ping Pong hervor. Zuckerschock! So klein und flauschig und niedlich und herzallerliebst. Und gar nicht so fischig, wie sie klingen!

MIT Puschelfüßen!!!!!

Ein bisschen sind sie ja auch „meine“ Babys, wo ich doch so famos in Gluckens Mittagspause auf sie aufgepasst hatte. Mit stolzgeschwellter Brust konnten wir uns nicht vom Stall losreißen und haben kurzerhand dort gefrühstückt und die Kleinen beobachtet: Besser als jedes Fernsehprogramm! Auch die Hunde finden neben Walter-TV, Wachtel-Sat und Hühnchen-Sportchannel nun den Küken-Funk SPITZE. Aber gucken dürfen die nicht, das gibt gleich einen Schnabel auf die neugierige Nase. Gepiepse anhören ist aber auch schööön!

Eins kam noch während des Frühstücks, nur Nr. 6 (Lachs) brauchte etwas länger, bis es sich ausgepackt hatte.

Am Abend dann wurden wir ungeduldig und haben die restlichen drei Eier doch noch durchleuchtet. Eins war gar nicht befruchtet, das hätte man fast noch zum Frühstück servieren können. In zwei Eiern ist was, aber ich glaube nicht, dass die noch schlüpfen. Bewegt oder gemorset haben sie nicht. Oder es sind zwei Schlafmützen?

Die kleine Gang ist eine ziemliche Freak-Show: Das Dickste ist total frech und laut, untersucht alles und zieht Muttern die Kehllappen lang, pickt ihr in die Augen, mimt einen auf Punk und rattert rücksichtslos über schlafende Geschwister! Nix ist vor ihm sicher! Das wird noch spaßig werden….

Fortsetzung folgt morgen, ich glaube aber nicht, dass es mehr als sechs werden und habe damit dann meine Wette gegen die Twins gewonnen!

Update: Es ist bei sechs Fischlis geblieben. Alles wohlauf und schon kleine, freche Raptoren! J

Auch bei Anke im Brüter hat sich kurze Zeit später etwas getan. Zu den Fischlis sind jetzt noch die Bielefelder Kennhühner gekommen. Ping Pong hat ein wenig verdattert geguckt, weil die ersten Kükis ja gelb sind und die Kennhühner dunkler. Fand sie erst nicht so optimal und hat leicht nach ihnen gepickt, aber inzwischen dürfen alle zehn unter ihr Platz nehmen.

Update: Leider haben wir relativ bald die Bielefelder Kennhühner aus der Gruppe nehmen müssen. PingPong ist eine A.....kuh :-( Sie hat denen ganz schön zugesetzt. Die Bielekükis durften zwar klammheimlich nachts von hinten unter sie krauchen, aber ansonsten hatten sie keinen guten Stand bei ihr. Sie taten uns so leid, dass wir ihnen das nicht länger zumuten wollten. Ich denke, die Bielefelder Kükis kamen einfach zu spät, um noch untergemogelt zu werden.

 

PingPong und die Fischlis machen inzwischen den Garten unsicher. Auch sonst hat sich einiges getan: Indigo hat ihre Zuständigkeit in Sachen Walter weiter bekundet (die Hühner sind ihr schnurz) und Cayú ist ja sowieso nicht so ganz von dieser Welt. ABER dafür haben wir ein neues Dreamteam in Sachen "Küken-Mutterschaft": PingPong kooperiert mit Stalking Sky :-)